Tuesday, December 06, 2005

Die überschätzten 'Weblogs' - ein Phänomen

Wer zwingt uns eigentlich diese idiotische Diskussion um Bekanntheitsgrad, Reichweite und Nutzung von Blogs auf?

Google News Alert liefert mir jetzt dutzende von Offline und Online-Beiträgen, die die Ergebnisse der W3B Studie von Fittkau & Maass wiederkauen bzw. die 3-seitige Pressemitteilung. Sie stehen alle irgendwie unter dem Motto "Die überschätzten Weblogs" - da drängt sich doch die Frage auf, wer könnte daran ein Interesse daran, wer nimmt (fälschlicherweise) an, dass er daraus Nutzen ziehen könnte?

Zugegeben, die angeblichen "75 % Bekanntheitsgrad" haben mich ziemlich überrascht, sind aber Teil des PR-Hypes Cycle (Gartner) und Ergebnis der Anlage und Methodik der W3B Studie. Und außer der (jetzt) schreibenden Zunft hatte m. E. bisher niemand "Blogs" als ein / das neue Reichweiten- und Massenmedium bezeichnet. Oder?

Überrascht hat mich auch, dass (die von mir wahrgenommene) Berichterstattung alle den Tenor der Pressemitteilung wiedergegeben haben, ohne auch nur für einen Moment zu hinterfragen, was die Zahlen bedeuten und wie realistisch diese für den Markt tatsächlich sind (und ob die Zahlen & Methodik solche qualitative Aussagen überhaupt zulassen, ohne die Untersuchung insgesamt zu diskreditieren).

Bis vor wenigen Monaten wurde in den Medien noch die Zahl "45 - 65 Tausend Blogs" für Deutschland als seriöse Schätzung genannt. Einige wenige nannten bereits 200.000 und ich bekam für meine Nennung ca. 250.000 und dann 350.000 Prügel. Und jetzt kein Wort zu den angeblichen Zahlen der Blogs und Blogger in Deutschland. Nach dieser Studie soll es in Deutschland (nur gerechnet auf der Basis 1 Blog pro Blogger):

4.284.000 Weblogs (bzw. Blogger)

1.428.000 aktive Weblogs - mind. einmal im Monat aktualisiert

750.000 aktive Weblogs - mind. einmal die Woche aktualisiert

geben. Keine Zweifel, kein Kommentar und alle stürzen sich auf den vorgegebenen Tenor 'Weblogs: Ein überschätztes Phänomen'.

Fragt sich nur wer das "Phänomen Weblog" vor der Studie „eingeschätzt“ hat, warum und wofür? Ist das die versuchte, vorläufige "Entwarnung" (oder "Warnung") für Medien und Werbetreibende?

Ich werde meine Blogs (und Newsletter) weiter nutzen um mit einer kleinen, feinen Gruppe mir wichtiger Leute zu kommunizieren und im Dialog zu bleiben. Genau so wie ich das früher mit Zeitschriften (seit 1962), mit B2B-Zeitschriften (seit 1966), mit Radio- und TV (seit 1972), Special Interest Magazinen (seit 1978), mit Newslettern (seit 1984), usw. gemacht habe.

Mich interessiert die Relevanz und Wertschätzung (ein klein wenig die Reichweite) in meiner Zielgruppe und ob ich etwas zu deren Erfolg beitragen darf.

Sollte einer meiner geschätzten Partner sich bis hierher vorgekämpft haben, hier noch eine Bitte:
Bitte hören Sie auf davon zu sprechen, dass Sie jetzt auch Blogs anbieten, sondern eröffnen Sie den Dialog mit Ihren Lesern / Nutzern, geben Sie Ihren Lesern das Wort, laden Sie Gastautoren ein, die was zu sagen haben – und nennen / nutzen Sie dann dazu auch vielleicht auch Blogs & Blogger.
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