zum Lesen! Und weil es ein (ehemaliger) 'Zeitschriftenmacher' sagt, der heute beim Fernsehen tätig ist, träumt er dabei vom Lesen von gut gemachten Zeitschriften. Da liegen Peichl und ich nicht weit auseinander. Auch ich hätte in meiner Verlagszeit gerne nicht nur an einem Dutzend neuen Zeitschriften gebastelt, sondern damals (und heute) gerne an noch viel, viel mehr innovativen Konzepten, dem Leser ganz naher Ideengeber und Begleiter auf neuen Abenteuern gearbeitet.
Heute tag-träume ich noch immer von und in Geschichten und dabei mir ist es ganz egal, wo ich diese erzähle, und ob ich einen oder mehrere ZuX-MitX (siehe unten) habe den/die ich für einen Augenblick entführen, zufrieden und/oder glücklich machen kann.
In den Antworten von Markus Peichl auf die Fragen der FAZ-Redaktion bekommen natürlich auch die Zeitschriftenbastler von heute ihr Fett ab: "austauschbaren Me-too Produkte, die Kopie der Kopie, der Klon vom Klon, das Lisa-Lea-Laura-Syndrom", aber es gibt auch den Aspekt des Entdeckens, des entführt Werdens und des Selbermachens.
In jedem Fall sollten Sie jetzt / oder später den Beitrag auf FAZ Net: Medien lesen
Mach! Dein! Eigenes! Magazin!
Wie gesagt, ich würde liebend gerne noch ein paar 'Geschichten erzählen' und meine 'ZuX-MitX' (wobei X für -hörer, -leser, - seher, -nutzer, -streiter, usw. stehen kann) verführen und entführen, aber Markus Peichl hat mich zum Träumen angeregt.
Träumen, speziell Tagträumen war schon immer meine große Leidenschaft und die wurde, nicht wie bei Markus Peichl beim Vorlesen, sondern beim Geschichtenerzählen entzündet. Das Märchenbuch wurde von Großvater und Großmutter erst hervorgeholt, wenn ihnen die Geschichten (oder die Zeit) ausgingen oder es Streit über den Verlauf und das Ende der Geschichte gab. Da es bei uns zu Hause keine 1:1 Betreuung gab, geben konnte habe ich mir dann die Welt des Buches erobert und später natürliche auch der Zeitschriften und Zeitungen. (Und letztendlich habe ich meinen Beruf damals gewählt, weil man (zu dieser Zeit) als Verlagsmitarbeiter Bücher deutlich preiswerter kaufen konnte).
Wenn ich heute mit jungen Menschen spreche und sie mit mir, dann finde ich (ganz tief in mir), dass die alle viel zu vernünftig sind oder sein wollen und die Kraft der Fantasie beschnitten, abgetötet oder zumindest unter Kontrolle ist - dann muss es schon ein Harry Potter oder eine Teeny Band wie Tokyo Hotel, um die Vernunft zu besiegen.
Aber wahrscheinlich liegt das auch daran, dass wohl alle Märchen, die mit meine Großeltern erzählt oder vorgelesen haben, heute eine Alterszugangsbeschränkung hätten oder gar auf dem Index stehen würden.
Ich wünsche mir also, das unsere Jugend wieder mehr verführt (und nicht nur zum Lesen) und entführt werden und spüren, dass man mit Fantasie und Kreativität mehr vermag, mehr erreicht und glücklicher ist, als mit der langweiliger und daher gesellschaftsfähiger 'Vernunft'. Und wenn euch Junge und Junggebliebene niemand verführt, verführt euch und eure Umgebung selbst! Gestaltet euren eigenen Space – denn, die alte Regel, dass es sich für einen Verleger nur lohnt eine Zeitschrift zu verlegen, wenn es mehr Leute gibt, die über etwas lesen wollen, als Leute die darüber schreiben wollen, gilt heute schon lange nicht mehr! Oder wie Markus Peichl sagt:
Mach! Dein! Eigenes! Magazin!
Na klar, auch Verleger, Zeitschriften- und anderen Medienmachern wünsche ich mehr Mut zur Fantasie, Kreativität und Irr-Sinn. Machen sie sich gemein mit ihren Lesern! Erzählen sie spannende Geschichten, verführen und entführen sie ihre Leser ... und vor allem, lassen sie sich verführen und entführen ...
P.S. für alle Macher:
Und wenn ihnen jemand, gut gemeint sagt "Damit fallen sie / fällst du jetzt endgültig auf die Schnauze", schalten sie einen Gang hoch, sie sind mit ihrer verrückten Idee wahrscheinlich auf dem richten Weg!