In dem Posting 'Redaktionen frustriert und ausgelaugt: vom Opfer zum Motor der Digitalisierung' Anfang der Woche hatte ich u.a. empfohlen 'Geben Sie Ihren Redaktionen mehr Freiräume, mehr Luft zum atmen - dann werden vielleicht auch sie ein Gewinner der Digitalisierung'.
Zu diesem Thema hat nun Stefan Winterbauer (@Swinter) bei mir nachgefragt und dies am 31.07.09 im Beitrag 'Redaktions-Frust in Energie verwandeln' auf meedia.de veröffentlicht.
Was mich seither noch immer beschäftigt ist die Frage, ob hinter dem was die Verlage, Verleger und Verlagsmanager so unsägliches sagen, veranstalten und machen vielleicht eine [noch verdeckte] Strategie dahinter steckt.
Journalisten und Redakteure, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren und sich mit den Entwicklungen ihres Berufs- und Eco-Umfeld beschäftigen können ja wohl nicht gemeint sein. Sie wissen (oder ahnen wenigstens), dass das nicht als Antwort auf den Verfall, die Zerstörung des Geschäftsmodells ausreicht und schon gar nicht das Fundament für ein neues profitables Geschäftsmodell sein kann.
Den Lesern / Nutzern, jedenfalls die im Geist oder in Realiter fremdgehen, wird vermittelt, dass neue, andere Nutzungsverhalten zumindest asozial. aber eigentlich doch kriminell und man sollte sich von den Produkten und Services möglichst fern halten, sonst winkt der Knast und/oder hohe Geldstrafen. Neue Angebot und Services hinken dem Gebrauch im Netz hinterher und statt attraktivere Angebote als die Reingeschmeckten zu liefern, gibt es anscheinend einen Wettbewerb für das unattraktivste, möglichst unverkäuflichste Angebot fürs Web oder Mobile.
Den Werbekunden wirft man vor, dass sie ihre Verpflichtung zur Erhaltung der Medien und der Nutzung tradierten Werbeformen nicht mehr in ausreichendem Maße nachkommen und so ihre Fürsorgepflicht für eine lukrative Rente der Medienbetreiber aus traditionellem Mediengeschäft verletzen [und weil man ja nicht als geizig erscheinen will gibt man Inventar und Kundenbeziehungen im Web für 'en Apfel und Ei an die Vermarkter zum verramschen ab, den man will sich ja nicht mit lausigen Cents die Weste beschmutzen].
Wenn also das Klientel Informationen lieber via allgemeiner Websuche (in Deutschland 82 % via Google, ComScore) als direkt auf den Newsportalen und Online-Ablegern von Print, Radio, TV, etc.; wenn also immer mehr Leuten egal ist ob sie etwas am Bildschirm oder auf Papier lesen; wenn Journalisten also Helfer, Erklärer und Hintergrundlieferanten und nicht als Gatekeeper geschätzt werden, die über den eignen sozialen Filter wahrgenommen werden wollen ... (usw.) dann bleibt für mich als logische Strategie hinter dem was die Verlage, Verleger und Verlagsmanager so sagen, veranstalten und machen nur übrig:
Wir möchten, dass ihr uns unterschätzt. Vergesst, dass wir noch Milliardenumsätze machen und unser Profit im Vergleich zu anderen Branchen noch immer noch fürstlich sind. In diesem Armengewand können wir die Zuwendung unserer Politiker gewinnen, unsere Mitarbeiter und Autoren weitere Opfer und Zugeständnissen abringen und den Bildungsbürgern unsere Produkte weiter als haptische wahrnehmbare Kulturgüter und dekorative Einrichtungsgegenstände verkaufen, bis der Spuk vorbei geht oder aber, wir als dann unterschätzte Davids und Bettler die Goliaths und Neureichen der Digitalisierung überlisten können.
Was meinen Sie?