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Monday, October 05, 2009

Die Buchbranche im Abseits

Das Branchenblatt buchreport berichtete letzte Woche über einige Ergebnisse einer (jährlichen) Umfrage im Vorfeld der Messe, durchgeführt und zwar von der Frankfurter Buchmesse und buchreport und in Kooperation mit Publishers Weekly.

In diesem Jahr haben sich, so berichtet der buchreport, 840 internationalen Branchenvertretern, darunter überwiegend Geschäftsführer und Führungskräfte aus der Verlagsbranche beteiligt. 78,2 % aus Europa, 11,3 % aus den USA, 3,5 % aus Lateinamerika und 2,4 % aus Südostasien. Wir Europäer können also gut und gerne, die ganze 'Schuld' für die Ergebnisse auf uns nehmen ... vielleicht besser so.

Erst wollte ich ja die Ergebnisse 'ignorieren' und habe lediglich einen Tweet abgesetzt:

16:29 Lese auf buchreport die Ergebnisse der Umfrage zur Digitalisierung und den Geschäftsmodellen ... OMG, tut richtig weh  ( # )

(OMG - steht für Oh mein Gott, Oh my God / Goddness]


Aber dann lese ich bei meinem Kollegen Rex Hammock 'Why do some book publishers seem intent on wandering off a cliff?' der den Beitrag von Bookseller zu der Umfrage Publishers 'completely divided' over e-book pricing zum Anlass nimmt, nochmals und wahrscheinlich wieder ohne Eindruck auf die von-der-Klippe-Springer der Buchbranche zu machen über offensichtliches zu sprechen. Also dann, es geht um

Nach Meinung der Teilnehmer der Umfrage sollte der Preis für ein eBook sein

4 % : teurer als die gedruckte Ausgabe: 4 Prozent
15 %: genauso teuer wie das gedruckte Buch: 15 Prozent

11 %: 10 Prozent günstiger
20 %: 20 Prozent günstiger
14 %: 30 Prozent günstiger
16 %: mehr als 30 Prozent günstiger
15 %: zu einem Standardpreis à la Amazon (9,99 Dollar)
6 % : andere Preismodelle

d.h. 19 % oder knapp ein Fünftel der (vorwiegend) Führungskräfte sind der Meinung, dass eBooks gleich oder höher bepreist werden sollten, wie gedruckte Bücher. Nun wir wissen nicht, wie viele diese 19 % aus dem vertreibenden Buchhandel kommen - hier wäre der Wunschgedanke verständlich, wenn auch unrealistisch, man könnte dann (theoretisch) die bisherige Kalkulation beibehalten - wenn halt nur die Kunden nicht wären.

Falls Führungskräfte des produzierenden Buchgewerbes unter den 19 % (oder den 64 %) sind fragt man sich, ob die sich schon mal mit der Kalkulation im Buchgewerbe beschäftigt haben. Wer hierzulande seine Bücher über den Grosso / Barsortimenter vertreibt sollte wissen, was nach Rabatten, Retouren, Versand, Lager, Finanzierung und Herstellung von gedruckten Büchern beim Verlag verbleibt.

Bitte, nehmt Vernunft an. Die Preiskalkulationen für eBooks können sich nicht nach der Kosten- und Erlös-Kalkulation von gedruckten Büchern richten, sondern nach

- den Kosten-/Nutzenerwartungen der Kunden,
- der Kostenstruktur von eBooks im Verlag und Vertrieb,
- einer angemessenen Bezahlung der Autoren und
- realistischen Ertragserwartungen für Buchverleger und Buchvertreiber

Mehr Lesenswertes (in englisch) zum Thema auf dem Rex Blog

Der vollständige Bericht auf buchreport zur Umfrage ] Pressemitteilung Buchmesse

Früherer Beitrag (Umfrage 2008)
Das Buchverlagswesen: Eine Zeitreise ins Jahr 1948
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