Wednesday, December 16, 2009

Eine radikal neue Dekade für das Buch Business steht vor der Tür

Die Buchsortimenter sind noch einmal davongekommen. Der Barumsatz der Sortimenter für 2009 ist gegenüber 2008 (jedenfalls nach dem Branchenmonitor November 2009) mit 0,6 % im Plus (was auch ein wenig mit der Sonderkonjunktur um die Nobelpreisträgerin Herta Müller zusammenhängen dürfte). Die Anzahl der Buchkäufer ist mehr oder weniger stabil und die Reihen der Verlage sind, was eBooks Vermarktung und Preisgestaltung angeht, noch geschlossen.

Die Marktanteile der Buchmarkt Vertriebswege (hier aus 2008, auf der Basis von 1.400 Verkaufspunkten)



haben nicht die dramatische Entwicklung gezeigt, die Auguren vorausgesagt hatten. Der Anteil des Internet-Buchhandels liegt 2009 bei bescheidenen ca. 13 %, das eBook-Angebot mit deutschsprachigen Werken ist extrem klein und wird mit Mond-/Abschreckpreisen und käufer-/nutzerunfreundlichen Verfahren belegt und das Angebot von Applikationen für Smartphones, Netbooks, PCs und eBook-Readern kommt nicht in die Gänge, innovative Angebote für eBooks und mBooks sind Fehlanzeige (in Deutschland) ... alles im Dienste des produzierenden und vertreibenden Buchhandelsgeschäftsmodell des letzten Jahrhunderts.

Ich bin mir sicher, dass in der neuen Dekade Leser/Nutzer, Autoren und innovative Buchgeschäftsmodell-Anbieter die Verteidigungslinien der Bewahrer zum Einsturz bringen werden und eine nutzer- und autorenfreundliche Zeit einleiten werden. Was macht mich so zuversichtlich? Nun ich liebe Literatur und nur wenige Autoren schreiben um dann ihre Werke von den Lesern zu verstecken und /oder fernzuhalten.

Amazon hat dieser Tage mit einem exklusiven Deal mit dem Bestsellerautor Stephen R. Covey für zwei seiner Bestseller abgeschlossen, der zeigt, wie neue Modelle die Interessen der Autoren erheblich besser berücksichtigen können. Stephen R. Covey bekommt aus dem exklusiven Deal 50 % des Erlöses als Honorar - dabei ändert sich für Amazon.com nicht viel, statt 50 % des Verkaufspreises als Einstandspreis zu zahlen, überweist man die 50 % direkt an den Autor. Was Amazon mit diesem Deal zeigt ist, dass selbst Bestsellerautoren mit nicht Verlagen, aber Buchdienstleistern besser Geschäfte machen können, als mit traditionellen Verlagen, sofern dort ein alles oder nicht Konzept gepflegt wird. Damit wir uns nicht falsch verstehen, Verlage sind für viele Dienstleistungen im Buchgeschäft bestens geeignet, aber Leistung und Erfolg sind über alle Autoren so ungleich verteilt, dass es irgendwann zum großem Knall kommen muss, kommen wird. Leider sehe ich kaum Ansätze, dass Buchverlage ihre Dienste desintegrieren und angepasst Autoren- und Betreuungs- und Vermarktungsverträge anbieten. Mit deutlich höherem Honorar für Autoren und eine Dienstleistungspreisliste aus der Autoren nach ihren Anforderungen wählen können.

[Für die Staaten würde damit, wenn die Rechtsprechung bestätigt wird, für mehrere 100.000 Bücher neue Rechte für eBooks vergeben werden können.]

Related: -update -

The Authors Guild: Random House's Retroactive Rights Grab

Ich weiß nicht genau, wie die Rechtslage in Deutschland ist. Jedenfalls im meinem damaligen Verantwortungsbereich haben wir die Verträge erst in der 2. Hälfte der 90er Jahre so umgestellt, dass auch die Rechte für eBooks / ePublikationen und anderen elektronischen Formen abgedeckt waren. Das galt auch für die Staaten und dort hat 2001 / 2002 Rossetta Stone gerichtlich feststellen lassen, dass die Rechte für eBooks, in dem Standardvertrag von Random House nicht ausreichend gesichert waren und deshalb weiter bei der Autorin liegen. Wenn diese Rechtsauffassung hält können in den Staaten wohl die meisten Autoren von Werken aus der Zeit vor ca. 2000 über ihre Werke im Bereich eBooks und mBooks selbst frei verfügen. Wenn hier ein Rechtsgelehrter aus Deutschland mitliest, kann er vielleicht als Kommentar oder als eigenen Beitrag die Situation hier in Deutschland erläutern.

Ich bin mir auch ganz sicher, dass die Leser / Käufer von Büchern in dieser Dekade ihr Recht einfordern, die Werke auf ihre Weise zu erwerben, zu nutzen und zu verarbeiten. PoD, Ausstattungsvarianten und Bündelungen werden die Keytreiber für die, die ein physikalisches Gut erwerben wollen, Ubiquität, Formatvielfalt, Bundles und eine Preisspreizung von Gratis bis Premium werden den Ausschlag für den Erfolg im digitalen Bereich geben. Wenn nicht mit den Verlagen, dann vielleicht direkt mit den Autoren und den neuen Dienstleistern, mit den Autoren, Bibliotheken und Dienstleistern. Dies kann beschleunigt dadurch werden, dass die Verlage in Angebotsformen und Preisgestaltung den Lesern/Nutzern nicht entgegenkommen und weiter bestimmen wollen, wann, wie, was und zu welchem Preis gelesen oder nicht gelesen wird.

Auch Vertrieb von Büchern in allen Stufen wird sich dramatisch verändern müssen, weil Dienste nicht mehr gebraucht und nachgefragt werden und nicht mehr aus der Marge zu bedienen sind. Mit einer bloßen Anpassung ist es nicht getan, sondern die Digitalisierung erfordert einen radikalen Neuaufbau des Geschäftsmodells, mit anderen Aufgaben und Aufgabenverteilung für alle Beteiligten.

Für einen Blogpost hier schon viel zuviel Anschläge, deshalb endet der Beitrag hier ... Diskussionsbeiträge / Kommentare / etc. sind (wie immer) sehr willkommen!

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