Sunday, December 20, 2009

Wem gehört ein Interview?

dem Journalisten der die Fragen stellt? Dem Interviewten der die Antworten gibt? Dem Publisher, welches das Interview als erstes veröffentlicht? Welche Recht können die Beteiligten für sich beanspruchen, haben sie nach der aktuellen Rechtsprechung, sollten sie haben?

Ein Beitrag von Chris Meadows auf TeleRead Who owns the interview? sowie der Verweis auf ein von Paul Bradshaw auf PoynterOnline In the E-mail Era, Who Owns the Interview? haben mich veranlasst, über meine eigene Praxis nachzudenken - aber ich komme da nicht so recht voran. Vielleicht kann, will eine/r meiner Leser/in helfen. Betrifft diese Frage doch alle, die was zu sagen haben [und auch mehr oder weniger häufig von anderen klugen und / oder geschäftstüchtigen Menschen gefragt werden].

Früher war das für mich ziemlich klar. Wenn ich schon die Zeit aufgebracht hatte, die Fragen zu beantworten, erwartete ich vom Interviewer (und dem Medium für welches dieser arbeitete), dass sie sich um die Verbreitung kümmern. Schon damals habe ich mich immer wieder geärgert, wenn meine Kernpunkte verschoben oder rausgekürzt wurden. Aber den Aufwand nachzukarten, habe ich immer geschenkt.

Aber heute, wo jeder zahlreiche eigene Publikationskanäle und -möglichkeiten ohne großen Aufwand nutzen kann, wo Interviews ohne großen Aufwand des Interviewers (den Fragen merkt man oft an, dass die Fragesteller das schon internalisiert haben) per eMail, Skype, Flip-Flop, etc. geführt und dann publiziert werden können, sollten der Machtverschiebung zwischen Interviewer / Medium und dem Interviewten auch entsprechende Rechte folgen ... Welchem Codex folgen Sie?

Ich verstehe, dass Publisher ein Leistungsschutzrecht für sich geltend machen wollen? Aber frage mich oft, für was eigentlich? [Schon lange musste ich nichts mehr unterschreiben, bevor ich das "Privileg" hatte meine Meinung / mein Wissen abgeben zu dürfen], insbesondere, wenn es dafür kein Honorar (an den Interviewten) gezahlt wurde

Ich verstehe, das die Interviewer ihre Autorenrechte für die Fragen beanspruchen, bei der Nutzung gegenüber dem Publisher und dem Interviewten mitsprechen (und gegebenenfalls mitverdienen) wollen, aber ... Wie würden Sie handeln? (Beispiele)

- Sie sichern sich vor Abgabe des Interviews das Recht zur [parallelen, nachfolgenden] Veröffentlichung z.B. im Blog, Netzwerken, Foren?

- Sie bitten die Publikation nachträglich um Zweitveröffentlichungsrechte?

- Sie geben ein Interview, erfahren dann aber, dass die Veröffentlichung in weiter ferne (vielleicht) geplant ist. Sie zeigen wenig Verständnis und veröffentlichen ihre Antworten [und die Fragen] zeitnah zu ihren Publics? - ohne/mit Zustimmung der Publikation / des Interviewers?

- Der Autor verwurschtelt ihre Antworten / ihr Wissen in einem Beitrag mit / ohne Namensnennung, als zugeordnetes Zitat / als Erkenntnis seiner Recherche. Sie veröffentlichen - ohne jeden Skrupel ihre Originalantworten / mit den Originalfragen / mit umformulierten Einlassungen um den Antworten Sinn zu geben?

- Das Interview erscheint, aber dass was Ihnen wichtig war, wird weggelassen, gekürzt oder (aus Ihrer Sicht unzutreffend / unglücklich) umformuliert? Sie nehmen sich das Recht heraus, das Originalinterview - mit einem Verweis auf rudimentäre Veröffentlichung / Publikation - auf ihren Kanälen zu veröffentlichen

... oder sagen sie, das Interview gehört den Publics [Lesern, Sehern, Hörern] für die es gegeben wurde und die haben ein Recht auf freien, vollständigen Zugang und wenn es sein muss, helfe ich gerne nach?

Ich gebe zu, ich habe alle Varianten schon praktiziert. Mich interessiert, welche Handlungsweisen aus rechtlicher / ethischer / praktischer Sicht für sie in Ordnung bzw. nicht o.k. sind

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