Allzuleicht vergessen wir, dass wir diese schreckliche, unmoralische Jugend von gestern (oder vorgestern waren). Und das hat durchaus Tradition, wie diese Fundstücke nahe legen:
"Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe."
(Keilschrifttext aus Ur, Chaldäa, um 2000 vor Christus)
"Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen unsere Kultur zu erhalten."
(Keilschrifttext, babylonische Tontafel, um 1000 vor Christus)
"Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen."
(Aristoteles, griechischer Philosoph, 384-322 v. Chr.)
... mehr Fundstücke und Zitate? Zum Beispiel bei Guido Stepken auf little-idiot.de (PDF).
Über die Verwerflichkeit der Straßenbeleuchtung
Das folgende Zitat kenne ich schon seit Mitte der 60er Jahre. Der damalige CDR der Fachzeitschrift Elektromarkts oder Elektrotechnik hat mir das seinerzeit im Umlauf zukommen lassen (als junger Anzeigenwerber ebenda).
Link zur Quelle: Spica o.J.
Über die gesundheitlichen Gefahren der teuflisch schnellen, dampfgetriebenen Eisenbahnen für Mensch und Tier
Königlich Bayrische Expertengutachten aus dem Jahr 1835
"Ortsveränderungen mittels irgend einer Art von Dampfmaschine sollten im Interesse der öffentlichen Gesundheit verboten sein. Die raschen Bewegungen können nicht verfehlen, bei den Passagieren die geistige Unruhe, 'delirium furiosum' genannt, hervorzurufen. Selbst zugegeben, daß Reisende sich freiwillig der Gefahr aussetzen, muß der Staat wenigstens die Zuschauer beschützen, denn der Anblick einer Lokomotive, die in voller Schnelligkeit [a.d.V. 20 - 30 km in der Stunde] dahinrast, genügt, um diese schreckliche Krankheit zu erzeugen..."
(Vielfach zitiert, Herkunft umstritten, vielleicht aus dem Französischem)
Daneben gab es auch noch "Krankheiten" wie "Eisenbahnrücken", "Eisenbahngehirn", "Paralyse des nervus facialis", u.v.a.m.
Ein früher Fall von Technology Assessment oder die verlorene Expertise (Auszug, PDF)
"Auch wurde behauptet, daß durch die vergiftete Luft, aus der die Vögel tot herabfallen würden, Kühe ihre Milch verlieren würde, die Pferdezucht verkommen würde, das Getreide und Viehfutter schädliche Beimischungen erhalten und Hasen, Rehe, Hühner, Fasanen und Füchse durch Verscheuen und Aussterben und Verscheuchen unheilbar geschädigt werden ..."
Quelle: Esther Fischer-Homberger
Die Büchse der Pandora: Der mythische Hintergrund der Eisenbahnkrankheiten des 19. Jahrhunderts (PDF)
Über die Lesesucht
Karl G. Bauer in "Über die Mittel dem Geschlechtstrieb eine unschädliche Richtung zu geben (1787)
die „erzwungene Lage und der Mangel aller körperlichen Bewegung beym Lesen, in Verbindung mit der so gewaltsamen Abwechslung von Vorstellungen und Empfindungen […] Schlaffheit, Verschleimung, Blähungen und Verstopfung in den Eingeweiden, mit einem Worte Hypochondrie, die bekanntermaaßen bey beyden, namentlich bey dem weiblichen Geschlecht, recht eigentlich auf die Geschlechtstheile wirkt, Stockungen und Verderbnis im Bluthe, reitzende Schärfen und Abspannung im Nervensysteme, Siechheit und Weichlichkeit im ganzen Körper“ erzeuge.
Das Lesen, das einmal als Seltenheit galt, betreibt nun jeder, auch die Schichten, die nicht dazu bestimmt seien. Dadurch verliere man die Kontrolle über seine Geschlechtstriebe.
Johann Georg Heinzemann in "Apell an meine Nation über die Pest der deutschen Literatur" (1795)
„ So lange die Welt stehet, sind keine Erscheinungen so merkwürdig gewesen als in Deutschland die Romanleserey, und in Frankreich die Revolution. Diese zwey Extreme sind ziemlich zugleich mit einander großgewachsen, und es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Romane wohl eben so viel im Geheimen Menschen und Familien unglücklich gemacht haben, als es die so schreckbare französische Revolution öffentlich thut. “
Mehr zur Lesesucht auf Wikipedia
Über die Gefahren von gedruckten Zeitungen und Zeitschriften
"... als Nachteile werden hauptsächlich die Beförderung von Oberflächlichkeit und der mögliche Misbrauch ihres Einflusses zur Irreleitung der Meinung, sowie der Schaden angeführt, welche manche durch ihren geschmacklosen, unsittlichen, groben Ton anrichten ..." mehr
(Brockhaus, 1841)
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Das weiss auch der Chefredakteur Wolfgang Blau (Chefredakteur zeit.de)