Sunday, August 09, 2015

BOEV: Kompendium Buch und Buchhandel in Zahlen 2015 erschienen

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. hat am 6. August sein jährliches, 63. Ausgabe des Kompendiums 'Buch und Buchhandel in Zahlen' 2015 veröffentlicht. Es bietet u.a.

- einen Überblick über die wirtschaftliche Lage des Buchhandels
- Daten zur Produktion, Umsatz, Warengruppen- und Editionsformen und deren Entwicklung
- eine kurze Übersicht zum eBook Markt (Privater Konsum) - eine eigene Studie gibt in 2015 nicht
- eine Zusammenfassung ausgewählter Ergebnisse von Studien zu Buchkäufern und Buchlesern
- betriebswirtschaftliche Kennzahlen für Verlage und Buchhandel und Preisentwicklung
- Informationen zum Handel und Lizenzmarkt International
- Informationen zur Beschäftigung und Ausbildungssituation

Buch und Buchhandel in Zahlen 2015


Die Sammlung baut auf den bereits auf der Wirtschaftspressekonferenz (9. Juni 2015) Rahmendaten und den Verlautbarungen / Reden der Funktionäre auf der Leipziger Buchmesse und den Buchtagen, Berlin auf. Sie ist zu beziehen als Softcover (Print) ISBN 978-3-7657-3297-3 und eBook (PDF)  978-3-7657-3298-0 im qualifizierten, gut sortierten Buchhandel.

Einigen bemerkenswerten Fakten:



- Die Zahl der Neuerscheinungen (Erst- und Neuauflagen) ist deutlich zurückgegangen 87.134 (2013: 93.600), Ersterscheinungen - 9,8 %

- der "geschätzte" Gesamtumsatz für Buch- und Fachverlagsbranche ist 2014 um - 2,2 % gesunken (im Vorjahr + 0,2 %) 

- der stationäre Buchhandel realisiert - jedenfalls nach der BOEV Berechnung -  49,2 % der erfassten Umsätze in 2014 (im Vorjahr: 48, 6 %)








Umsatzentwicklung Sortiment (ab 2010, inkl. eCommerce)






Der Bucheinzelhandel beklagt u.a. auch rückläufige Kundenzahlen, Kundenfrequenz und reduzierte Warenkörbe pro Ladenkauf.

Betriebsvergleich Sortimenter 2013

(167 Teilnehmer aus aktuell 3.204 Mitglieder des verbreitenden Buchhandels)

Über alle Teilnehmer des Betriebsvergleichs 2013

- Umsatz mit Büchern (= MwSt. Satz 7 %) 85 % des Gesamtumsatzes (unverändert)
- Umsatz mit Non-Books (= MwSt. Satz 19 %) 15 % (unverändert)
- Umsatz Online Anteil 2,1 % (Vorjahr 1,9 %)

- Personalkosten inkl. Unternehmerlohn 19,7 % (Vorjahr 20,0 %)
- Miete / Mietwert 4,4 % (unverändert)
- Werbung 1,2 % (Vorjahr 1,3 %)
- Betriebsergebnis verbessert - aber noch immer unterirdische nur  + 0,1 %
  (Vorjahr - 0,6 %), mit einer Spreizung von - 0,4 % bis + 1,0 %

Quelle: Kölner Betriebsvergleich 2014, Institut für Handelsforschung

Anmerkung:
Niemand wird bestreiten, dass ein Betriebsergebnis in dieser Höhe kein nachhaltiges Geschäftsmodell sein kann. Altruismus und Ausbeutung der Mitarbeiter haben einen Breakpoint und dann geht nichts mehr. Nicht durch Abbau von Personalkosten (absolut), sondern über Umsatzsteigerung und Umsatzanteilen mit höherer Rendite muss das Betriebsergebnis verbessert werden. Einsparungen im Bereich Marketing und Werbung wirken in die falsche Richtung. Auch wenn Heinrich Riethmüller die Buchbranche als Leuchtturm des eCommerce / Cross-Channel im Einzelhandel sieht, die hier ermittelten Daten zeugen eher vom Gegenteil. 

Deutsch-National

- noch (immer) produzieren die deutsche Verlagen (DNB) 85,3 % ihrer Erst- und Neuauflagen in Deutsch, nur 6,7 % der Titelproduktion erfolgt in English und 5,3 % mehrsprachig ... alle anderen Sprachen jeweils unter 1 % Anteil

- der Anteil von Übersetzungen an der Titelproduktion in Deutschland liegt bei 12,4 %, insg. 10.812 Titel (Erst- und Neuauflagen).

- bei der Lizenzvergabe ins Ausland liegt China mit 938 Lizenzen weiter deutlich vor Frankreich (334 Lizenzen) und Polen (324 Lizenzen)

Anmerkung:
Aus meiner Sicht vernachlässigen deutsche Verlage fremdsprachliche Publikationen und das Lizenzgeschäft sträflich. Richtig manche Verlage machen da etwas, wenige wirklich gut und wenn man nach einem überzeugenden Plan, eine gefestigten Strategie und professionellen und systematisch Umsetzung schaut - weites Land, unbestellt! Zeit für Change ...

Weitere Zahlen zur Situation der Verlage und des Buchhandels gibt es im Posting zur

Wirtschaftspressekonferenz des Börsenvereins in 2015 und  2014 .

Nachtrag 18-August-2014:

eBooks in Deutschland 2014


und damit schließen wir die Berichterstattung zur Entwicklung von digitalen Büchern, jedenfalls bei dieser wenig aussagefähigen Quellenlage ab. Die jeweiligen - nicht konsistenten und nicht kompatiblen - Ausschnittsbetrachtungen liefern für Verlagen, Distributoren und Sortimentern kaum (keine) planungsrelevante Informationen.

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