Samstag, Mai 21, 2005

Keine Werbegelder für schlechte Presse

unter der Überschrift

Die Dünnhäuter in amerikanischen Unternehmen,

schreibt Roland Lindner auf FAZ.net über die aktuellen Versuche von General Motors (GM) und der Investmentbanker Morgan Stanley Medien über den Abzug / Sperrung von Werbegeldern für unbotmäßige Berichterstattung zu bestrafen und auf den "Pfad der Tugend und einer wohlwollenden Würdigung" im Sinne des jeweiligen Unternehmens zurückzuführen.

So hat GM der Los Angeles Times "bis auf weiteres" alle Werbegelder (es handelt sich um mehr als 20 Mio. Dollar aufs Jahr berechnet) gestrichen und Morgan Stanley greift nicht nur zum Werbegeld-Entzug sondern übt auch direkt massiven Druck auf die inhaltliche Berichterstattung ein, indem man verlangt, dass "beanstandungswürdiger, geplanter Inhalt" vorher der Werbeagentur "angezeigt" wird und wenn das nicht rechtzeitig "geht" vorsorglich ein "Anzeigenstopp für 48 Stunden" in Kraft tritt ....

mehr bei FAZ.net / Text aus F.A.Z., 21.05.2005, Nr. 116 / Seite 20

Das Ansinnen von Morgan Stanley hat die führende, amerikanische Fachzeitschrift "Advertising Age" publik gemacht, die Verlage hatten sich mit öffentlichen Kommentaren da eher zurück. Unter der Headline "Morgan Stanley: No ads for you!", schreibt die Zeitschrift:


MORGAN STANLEY INSTITUTES NEW 'PULL AD' PRESS POLICY Designed to Respond to 'Objectionable' Editorial Coverage

In the latest sign of advertisers’ heightened sensitivity to editorial coverage, embattled financial giant Morgan Stanley informed key publications of new guidelines that require its ads to be pulled as negative stories about it are published.
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Diese beiden Fälle beziehen sich zwar im Moment nur auf die USA. Aber auch hier in Deutschland sind solche Versuche der Einflußnahme nicht völlig unbekannt. Ich habe das in meiner Zeit als Verlagsleiter nicht nur einmal erlebt.

Aber, da muß man durch ... und wenn die Publikation eine hohe Relevanz für den jeweiligen Zielmarkt hat, setzt sich dann (irgendwann) die Vernunft wieder durch. Besonders wichtig, gleich das Gespräch suchen, Standpunkte klar machen, Gesprächsbereitschaft signalisieren und Lösungswege (unter Vermeidung von weiterem Gesichtsverlust) aufzeigen, sonst saugen sich die kaptativen Verhaltensmerkmale fest!