Mittwoch, Juli 06, 2005

Hellwach verdraengen und verschlafen

via Industrial Technology & Witchcraft

Die Angst der Medienbranche vor Veränderungen und neuen Formen des Online-Journalismus beschreibt Wolfgang Harrer, freier Korrespondent und Online-Journalist in San Francisco, in einem Gespräch mit onlinejournalismus.de und warum sich deutsche Medien bei neuen Technologien gerne taub stellen:

"Ich wäre ja froh, wenn deutsche Medienmanager die Entwicklung wirklich verschlafen würden, denn dann müssten wir sie nur aufwecken. Tatsache ist aber, dass viele Entscheider in der Branche hellwach sind und bei vollem Bewusstsein versuchen, die absehbaren Veränderungen der Branche so lange wie möglich hinauszuzögern. Das gilt nicht nur für Podcasting, sondern auch für viele andere neue Formen des Online-Journalismus. Das Angstmotiv ist dabei in allen Medienbranchen dasselbe: Die Angst vor 'Kannibalisierung', also dem unnötigen Entstehen einer selbstgemachten Konkurrenz.

Was die Entscheider in den Sendern aber noch nicht verstehen wollen, ist, dass sie mit umfangreicheren Podcasts viele Hörer wieder erreichen könnten, die ihnen schon vor Jahren verloren gingen ..."

Mehr bei Onlinejournalismus.de

Ja, die Medien 'hassen' Veränderungen! Sie wollen auch nicht das die neuen Angebotsformen erfolgreich sind. Wenn sie mitmachen, dann fast immer lustlos und in der Hoffnung, dass es (hoffentlich) eh schief geht. Ein paar Beispiele:

- nicht Btx / Viewdata als Nachrichtenkanal Anfang der 80er

- nicht die Electronic News Paper an CompuServe (Columbus Dispatch Electronic Edition) im Juli 1980

- nicht den Audiotex Service (US Today Sports Hotline erhielt z.B. in 1988 2,3 Millionen Anrufe. In 1990 boten ca. 50 US Zeitungen 'Auditex Service' (und in 1990 erhielt das Atlanta Journal ca. 9 Millionen Anrufe - das waren durchschnittlich 17 Anrufe pro Abonnent)

Paplo J. Boczkowski hat zum Thema News, Digitalisierung von News und Online ein interessantes Buch veröffentlicht:
Digitizing the News: Innovation in Online Newspapers



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