Mittwoch, November 16, 2005

Die Zuverlaessigkeit von Zaehlungen: Europaeische Blogs

Verständlicherweise, haben die Zahlen von Robert Basic und unsere unverbindliche Liste, wieder die Diskussion angeheizt, wie solche Zahlen zustande kommen und wie 'wahr' oder 'falsch' sie sind und wie man zu einer kontrollierten Zählung kommt.

Nach unserer Einschätzung wird es wohl nie eine allgemeinverbindliche Zählung zum Thema 'Anzahl von Blogs in XY' geben. Dazu sind die Wünsche und Zielsetzungen für die potentiellen Auftraggeber und auch die Blogs und die Blog-Betreiber zu unterschiedlich gestrickt. Aber das geht nicht nur mit Blogs und Bloggern so!

Wir finden dies auch gar nicht schlimm und deshalb hier zum Trost, ein Beispiel aus einem anderem Bereich, den wir ganz gut kennen: die gute, alte Fachzeitschrift

Die ersten Fachzeitschriften in Deutschland gab es so um 1870 (ohne Bezeichnung 'Fachzeitschrift') - also schon ein paar Jahre her und noch heute zählt man / zählen und beschreibt man für Deutschland:

Fachzeitschriften (was ist das eigentlich?) mit / nach IVW Prüfung (3/05): 1.075 Titel

Fachzeitschriften nach Verbandsangabe (Fachpresse) von 550 Mitgliedsverlagen 3.637 Titel (diese Zahl hat z.B. World Magazine Trends 2005/2006 FIPP/ZENITH übernommen)

Fachzeitschriften insgesamt, nach verschiedenen Quellen / Angaben zwischen 9.000 - 12.000 Titeln

und obwohl es sich hier um Periodika und körperliche Titel handelt, finden sich alle 3 Ansätze in den Veröffentlichungen wieder.

Werbetreibende, oder präziser ihre Agenturen, meinen oft, dass nicht IVW geprüfte Titel irrelevant sind - solange alle vom Kunden gewünschte Titel in der IVW Liste zu finden sind, der Verband Fachpresse und seine Mitglieder halten ausschließlich die eigenen, gemeldeten Titel für relevant und ich weiß leider auch nicht, warum 9000 Titel eine bessere oder aber auch schlechtere Zahl sein sollte - es sei denn ich brauche einen oder mehrere dieser Titel, um mit meiner Zielgruppe zu kommunizieren.

Ich zitiere bei meinen Schulungen noch immer gerne die Worte meines (schon längst verstorbenen) Bosses Arthur N.:
"Martin, es ist mir völlig egal, mit welcher Methode sie die Titel für unsere Mediaplanung auswählen, solange auf ihrer Liste die Titel stehen, in denen ich werben will (und nach meiner Meinung werben muss, um erfolgreich zu sein)."