Dienstag, März 06, 2007

Senfstau Leif

sorry, Senfstau live.

Dass der netzwerk recherche Vorsitzende, SWR-Chefreporter und Politikwissenschaftler Thomas Leif die Techniken der Moderation beherrscht, hat er am gestrigen Abend zum MedienDisput Berlin Journalismus - 2.0: zwischen Senfstau und Trendsettern wieder bewiesen. Dass er die Techniken nicht zielführender eingesetzt hat und die Podiumsteilnehmer ihn nicht dazu gezwungen haben mehr zum Abbau des Senfstaus zu tun, lag wohl auch an dem konzeptionellen Aufbau. Mit dem ersten Fragebereich 'Das ökonomische Prinzip' landete Thomas Leif bereits einen Demobilisierungsschlag im cerebralen System der Journalisten, bloggenden Journalisten und dem journalistischen Blogger.

Von Sascha Lobo (ich will, ich muss an einen kommerziellen Erfolg glauben - schließlich habe ich mit Spreeblick (Johnny Häusler) die adical gegründet, über möglichst Kosten deckend, irgendwann profitabel bis zu Hans-Jürgen Jakobs (SZ) ist bereits heute unsere profitabelste Sparte (was er mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht und sicher erst nach den Specials-/Sonderprodukten der SZ-Reihen).


Von Links: Sascha Lobo (Zentrale Intelligenz) Wolfgang Büchner (Spiegel online), Katharina Borchert (WAZ online), Thomas Leif (SWR, nr), Hans-Jürgen Jakobs (Süddeutsche Zeitung online), Peter Schink (Welt online) und Thilo Trump (www.Result.de)

Selbst in dem Podiumteilnehmer naheliegensten Themenblock Journalismus kam es nicht so richtig zu einer Auflösung des Staus. Einig war man sich, dass Blogger nicht Journalisten per se ersetzen können und ersetzen werden, dass Blogs selbst bei hohen Nutzerzahlen Massenmedien nicht überflüssig machen und dass Blogs vielleicht doch ein journalistisches Format sind, dass man lernen und nutzen kann - auch als Journalist und als Community Hoster Media. Wie die Zusammenarbeit, eine wechselseitige Befruchtung, die Vernetzung und ein neues Eco-System aussieht, aussehen könnte, bleibt wohl einer zukünftigen Diskussion vorbehalten.

Im dritten Themenblog gesellschaftspolitische Aspekte war, so mein Eindruck, auf dem Podium die Mehrheitseinschätzung, das Deutschland in Personal & Citizen Publishing wohl deshalb ein Entwicklungsland ist, weil die (Massen-) Medienlandschaft bei uns im politischen und gesellschaftlichen Bereich in Deutschland so viel besser funktioniert - als in den USA, oder in Frankreich, China, usw. und deshalb die 'Szene' sich in Deutschland vorwiegend im Special Interest Bereich abspielt (Plastikstühle). Zarte Anregungen, dass es z.B. im lokalen Bereich vielleicht doch einen Bedarf gibt (Karl-Heinz Wenzlaff), fanden wenig Widerhall auf dem Podium.

Der Web 2.0 Marktforscher Thilo Trump machte mit seinen Beiträgen deutlich, dass es noch Bedarf an Marktforschung gibt und dass die Zukunftsgestaltung nicht die bevorzugte Domain der Marktforscher ist.

Mehr Links, siehe Ankündigung