Samstag, September 06, 2008

CHIP 30 Jahre: CHIP, CHIP Hurra! (Teil 3 und Schluss)

... und CHIP ist - auch nach jetzt 30 Jahren - noch immer da! Herzliche Glückwunsch und alles Gute für die kommenden Jahre!

Der Button und Schlachruf der ersten Jahre von CHIP



Ja, am 7. September 1978 war es soweit - CHIP ist da!
CHIPdie Zeitschrift für Mikrocomputer-Technik in Hobby und Beruf
Ausgabe Nr. 1 September / Oktober 1978
Erstverkaufstag Donnerstag, 7. September 1978



und liegt (seit heute) an mehr als 15.000 Kiosken und Bahnhofsbuchhandlungen, sowie rund 100 Elektronik/Computershops in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Verkauf aus. Der Einzelverkaufpreis 4,50 DEM [2,30 EUR] (Abo-Preis 24, 00 DEM [12,27 EUR]- für 6 Hefte).

Übrigens:
Zu dieser Zeit gab es nach Angaben von IDC erst rund 6.800 Computer- und Small Business System in Deutschland und verkauft haben wir von den beiden Ausgaben in 1978 durchschnittlich 30.967 Hefte (inkl. 9.800 Abos) und mitfinanziert von 19,5 Seiten Anzeigen.

Die heutige CHIP Mannschaft hatte das Jubiläum sicherheitshalber schon einmal im Frühjahr dieses Jahres mit einem Relaunch zur Ausgabe April 2008 gefeiert ...

[Nachtrag:


und feiert mit der Ausgabe 10/2008 CHIP noch einmal und die Leser bekommen zum 30sten Geschenke, Preise & die Charter Edition als PDF].

... Dazu gibt es auch ein Video mit dem jetzigen Chefredakteur (und Geschäftsführer) Thomas Pyczak, der das Erfolgsrezept von Deutschlands dienstältester Computerzeitschrift für die letzten 30 Jahren zu erklären versucht und demonstriert wie er Werbeagenturen und Mediaplanern heute davon überzeugt, dass sie und ihre Kunden in CHIP werben müssen (zum Video auf chip.de). Er malt das folgende Profil: CHIP Damals - CHIP Heute


Nun ja, das Bild welches Thomas Pyczak vom typischen Leser in den Anfangsjahren zeichnet trifft es wohl nicht ganz ;-) ... und ob der 1,2 Mio. Bill-alike Leser-Claim alle überzeugt, wir wissen es nicht.

CHIP war damals und für viele Jahre der Zugang und die Begleitung für viele in eine Welt mit dem Computer in Beruf und Hobby. Auch aus diesem Grunde hat die LASI 1981 (Leseranalyse Special Interest) schon überdurchschnittlich viele Unternehmer, Führungskräfte, Selbständige, Mediziner usw. für CHIP ausgewiesen. Auch in den Altersgruppen von 20 – 49 Jahren war CHIP ein häufig genutztes Medium um die eigene Wettbewerbsfähigkeit, den beruflichen Aufstieg und das die Interessen und Hobbys viele Leser, Väter und Söhne zu unterstützen. Hier ein Chart, mit Altersstruktur (im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, LASI 1981):


(Updated - siehe Kommentar)

Das Credo unseres Teams war damals die antizipierte stürmische Entwicklung mitzugehen, publizistisch zu begleiten und für alle Beteiligten wesentlichen Nutzen zu schaffen und Services anzubieten. Ganz wesentlich dabei war natürlich der stetige Dialog mit den Lesern schon die erste Ausgabe hatte zwei Kontaktkarten Leser – Redaktion,



Warum haben damals Franzis und Heise das Feld bestellt und es uns dann großzügig überlassen? Nun, die in 1975 im Windschatten der Funkschau gestartete Zeitschrift elo hatte sensationelle Abverkaufszahlen und ansehnliche Anzeigenverkäufe und man wollte diese Pfründe nicht gefährden, sondern das aufkeimende Themenfeld mit 'abfrühstücken'. (Das erinnert mich immer ein wenig an die Populare Electronic, die in 1975 - Januar Ausgabe (den getürkten) Altair 8800 Computer groß auf der Titelseite präsentiert hat, aber im Bereich Mikrocomputer und Personal Computer nie wirklich in der Spitzengruppe der Spezialtitel mithalten konnte.

Heise Verlag hatte erst 1977 seine erste 'Fachzeitschrift' "ELRAD - Magazin für Elektronik und technische Rechneranwendungen" gestartet und der damalige Chefredakteur glaubte noch jahrelang, dass das nix wird. Späte, nach eine Beilage 'computing today' in ELRAD, startete dann 1983, erst langsam, dafür um so gründlicher die Computerzeitschrift c't - magazin für computertechnik erscheint erstmalig.

Der einzige direkte Wettbewerber war im Sommer 1978 Winfried Hofacker mit seiner Zeitschrift elcomp und die war die erste (eigenständige) Mikrocomputer Zeitschrift in Deutschland - wenn auch nur mit (ca.) 2 Wochen Vorsprung.

Und das kam so: Winfried Hofacker, hatte von den CHIP-Plänen gehört - ich hatte mit dem Anzeigenverkauf bereits begonnen und so rief er mich an um herauszubekommen, ob das stimmt und wann das erste Heft erscheint. Er versuchte mich zu überzeugen, dass das bei Vogel wohl nichts wird und wir das besser lassen sollte sonst würden wir nur unnötig Geld in den Sand setzen.

Da seine fürsorglichen Worte nicht auf fruchtbaren Boden fielen, fragte er dann, wann denn die erste Ausgabe erscheinen würde um dann anzukündigen, dass er auch ein Heft plane und ELCOMP auf jeden Fall vor uns erscheinen und uns das Leben schwer machen würde ...



Foto/Scan: computermuseum muenchen
Der Erfolg der ersten Jahre kann sich sehen lassen

Die durchschnittlichen Heftverkäufe der ersten Jahre (Einzelverkauf, Abo)
(jeweils IV. Quartal)

1978: 28.467 Hefte (inkl. 9.800 Abo)
1979: 40.026 Hefte + 40,6 % (inkl. 15.370 Abo)
1980: 53.191 Hefte + 32,9 % (inkl. 19.892 Abo)
1981: 66.104 Hefte + 24,3 % (inkl. 20.816 Abo)
1982: 83.162 Hefte + 25,8 %
1983: 138.866 Hefte + 67,0 %

Auch das Anzeigenaufkommen entwickelten sich bestens
(und nicht immer zur Freude aller Leser)

1978: durchschnittlich 19, 5 Seiten (2 Ausgaben)
1979: durchschnittlich 24,6 Seiten (10 Ausgaben)
1980: durchschnittlich 37,3 Seiten (12 Ausgaben)
1981: durchschnittlich 55,7 Seiten
1982: durchschnittlich 78,5 Seiten

Die Chefredakteure CHIP

Start 1978 Henning Wriedt, Founding Editor, Chefredakteur
1978 - 1982 Günter Knauft, Chefredakteur
1980 - 1989 Richard Kerler, Redaktionsdirektor, Blattmacher
1982 - 1983 Richard Kerler, Chefredakteur (und Redaktionsdirektor)
1983 - 1989 Reiner Korbmann, Chefredakteur
1989 - 1993 Gerald Dick, Redaktionsdirektor
1985 - 1991 Martin Stübs, Chefredakteur
1989 - 1990 Wolfgang Dürpisch
1991 - 1993 Gerald Dick, Chefredakteur (und Redaktionsdirektor)
1993 - 1996 Dieter Winckler, Chefredakteur
1993 - 1999 Rainer Grabowski, Chefredakteur
1999- heute Thomas Pyczak, Chefredakteur, Geschäftsführer

Den Erfolg der neuen Mikrocomputer Zeitschrift für Beruf und Hobby CHIP hatten sich die beiden damaligen Geschäftsführer des Vogel Verlags Friedrich Fischer und Kurt Eckernkamp von Anfang an auf die Fahne geschrieben, man war sich des Risikos bewußt und der Tatsache, dass man zunächst eine Durststrecke zurücklegen mußte. Untereinander hatte man abgesprochen, dass jeder auf seinem Platz alles notwendige tun werde, um dem für den Fachzeitschriftenverlag Vogel mutigen Ausflug in die Welt des Kioskverkaufs zu sichern und ein neues Kapitel profitablen Wachstums des Vogel Verlags aufzuschlagen. Das galt für sowohl für die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Ressourcen für den Start und die Marktdurchsetzung, aber auch die Freistellung von Regeln, Gepflogenheiten und Limits, wenn sie dem Wachstum der jungen Pflanze CHIP nicht zuträglich waren.


Dr. Friedrich Fischer * 25-03-1930 - †26-03-1979

Nachdem Friedrich Fischer der Verleger, Mentor und Promotor hinter CHIP nur ein halbes Jahr später am 26 März 1979 für uns alle plötzlich verstorben ist, übernahm Kurt Eckernkamp das Erbe und hat es bis zu seinem Rückzug aus dem aktiven Verlagsgeschäft, wie seinen Augapfel gehütet, gefördert und gepflegt und denen die CHIP voranbringen wollten, immer Gehör und ein großes Maß an Vertrauen geschenkt. Danke!

Die ersten 5 Jahre CHIP & Co bei Vogel waren - wie diese Zusammenstellung zeigt - nicht weniger stürmisch und nicht weniger produktiv als das neue Marktsegment.



weiterlesen  (in einer Rohfassung) auf 1978 - 1983 Vogel Medien

Teil 1: 30 Jahre: CHIP September 1978 - 2008
Teil 2: 30 Jahre: CHIP - die Vorgeschichte (Kurzfassung)
Teil 3: CHIP, CHIP Hurra! (Schluss)

Aller Beiträge zu CHIP auf diesem Blog

siehe auch Google Sites: Vogel Jahre 1978 - 1983

P.S.
Vielleicht versteht der geneigte Leser, wenn ich heute manchmal schmunzeln muss, wenn ich von der brilliante Idee einer Augmentation, Markenspreizung und/oder Marktdurchdringung und -erweiterung lese oder jemanden von dem 'neuen' Gebot der Stunde sprechen höre ...