Montag, Oktober 13, 2008

Buchmesse: eBooks und/oder Literatur

Nimmt man dass was in den Medien über die diesjährige Buchmesse zu lesen ist, schaut man sich das Veranstaltungsprogramm auf und rund um die Buchmesse an, könnte man meinen, auf der Internationalen Buchmesse 2008 dreht sich fast alles um (wiederauferstandene) eBook Gerätschaften, die Identitätskrise und Selbstfindung der Branche und fast nichts (mehr), jedenfalls ziemlich wenig, um Literatur.

Nur ein Beispiel:
Die neue Generation des Buchs: eBooks auf der Messe ... Rund 200 Fachveranstaltungen setzen sich mit dem Thema Digitalisierung allgemein auseinander: Digitalisierung à la carte

Ich gebe ja zu, vielleicht liegt das ganz wesentlich an meiner "Quellenlage" und schließlich, ist das kein Literatur-Blog - trotzdem zieht es mich, wie seit 1962, diese Woche wieder nach Frankfurt. Sehen, sprechen wir uns in Frankfurt?

Für mich muss hat der Literaturbetrieb nur eine fröhlichere Zukunft, wenn er sich wieder stärker auf die Beziehungen zwischen Literatur und Leser konzentriert und dieser förderlich ist, bereichernd in Komfort und Lust zur Verfügung steht. Und ja, Autoren, produzierender und vertreibender Buchhandel müssen ihr Geschäftsmodell neu erfinden und an die Beschaffungs- und Lesegewohnheiten ihrer Kunden anpassen.

Das eBook als eigenständiges Empfangs- und Lesegerät wird es nach meiner Meinung nicht schaffen Print abzulösen. Es bleibt ein elitäres und teures Gerät für die Mehrzahl der rd. 45 Millionen Buchleser unattraktiv (und oft auch unerschwinglich). Ja, trotzdem empfehle ich meinen Kunden, die digitale Varianten von Büchern und Literatur proaktiv zu betreiben. Wer eBook-Geschäfte ernst nimmt, bietet seine Werke in digitaler Form an und zwar für alle 'Ausgabegeräte' und mit Unterstützung eines unbeschränkten Formatwechsels auch nach dem Verkauf und dem Herunterladen. Dann stehen nämlich (den rund 45 Millionen Buchlesern in Deutschland) nicht nur 'schwer zu refinanzierende 'eBook Reader' als Ausgabegeräte zur Verfügung, sondern alle PCs, Notebook, Netbooks, Smart Phones (und natürlich auch PoD Stationen) und dann macht verkaufen auch so richtig Spaß.

P.S.
Zum Erfolg des Amazon Kindle in USA:
Nach den Gallup Ergebnissen zur Frage "Wie viele Bücher haben Sie gelesen, zumindest angefangen zu lesen" gaben an, in 1990: 6 Bücher, in 1999: 10 Bücher und in 2005: 5 Bücher und 27 % der Befragten gaben an, sie hätten überhaupt kein Buch gelesen. Was im Umkehrschluss ja bedeutet, dass es in den Staaten rund 175 Millionen Buchleser gibt und da ist es doch eher egal für den produzierenden und vertreibenden Buchhandel, ob Amazon in den USA nun 50.000 oder 200.000 Kindle verkauft hat bzw. bis zum Jahresende verkauft.

Gemessen an Geschwindigkeit des technischen Fortschritts von eBooks in den nächsten Jahren, den Preisen der Gerätschaft und der Preispolitik Print vs. Digital rechnet sich die Investition so ungefähr nach dem 60sten digitalen Buch pro Jahr ... mit der Preispolitik in Deutschland sind es noch ein paar Bucheinkäufe mehr ... und das alles nur auf einem 'eigenen' Gerät.

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