Montag, April 27, 2009

Einnahmemodelle: Verlagsservices (die NYT, Archiv)

In der Diskussion über die Zukunft von Verlagsunternehmen wird werden gerne Geschäftsmodelle und Einnahmenmodelle als eine Einheit gesehen. Ich trenne das gerne und wenn wir uns in Kundensituationen darauf einigen können, sprudeln die Ideen nur so. Die Geschäftsmodell (über Jahre gewachsen stellt man nicht einfach so infrage, aber Einnahmemodelle kann man ausprobieren und leicht an Kundenwünsche und Kundensituationen anpassen.

Beispiel
Wer für seine Inhalte nur ein, zwei oder drei Angebote Abo, Micropayment und Downpayment, eventuell mit Stufenerweiterung kennt, trifft vielleicht gar nicht den Bedarf des potentiellen Kunden

Und wer wirklich originäre und rare Inhalte bietet, kann das Risiko eingehen, den ersten Beitrag auf 'Kosten des Hauses' zu liefern ... Warum hat mich eigentlich noch niemand gefragt, ob ich mit dem gelieferten Beitrag zufrieden bin, wie viel ich dafür bereitgewesen wäre zu zahlen und mir einen Kurzabo für die nächsten 5/10 angeboten hätte


Als die New York Time ihr Archive freigegeben hat, habe ich 'natürlich' dort für unser Projekt Karl Richter in München recherchiert ... die Angebotsalternativen war (sind) 1 Beitrag für 3.95 USD und 10 Beiträge für 15.95 USD . Ende, aus.

Nach meiner Recherche im Archiv der NYTs gab es insgesamt

4.260 Treffer für 'Karl Richter'
150 Treffer für 'Karl Richter Munich Bach-Choir'

Niemand, außer der New York Times, wäre auf die Idee gekommen ich würde rund 6.800 USD zahlen um mir die 4.260 Dokumente herunterzuladen, oder anzuschauen und herunterzuladen [und das ohne irgendwelche Rechte zu erwerben, die Inhalte zu verwenden, zu publizieren, in Datenbanken zu Verschlagworten, in unser Archiv aufzunehmen, usw.]

Selbst die 239, 25 USD für die 150 Dokumente wollte ich nicht ausgeben ohne die Dokumente vorher gesehen zu haben und unter Kenntnis des Inhalts zu entscheiden, dieses und jenes Dokument, wollen wir dann eher doch nicht haben [in unserem Beispiel, irgend welche Terminankündigungen für die Konzerte, Listing]

Am Ende habe ich 31.90 USD gezahlt für bis zu 20 Dokumente, aber nur 16 abgerufen, weil das durchsuchen für weiterer 4 Dokumente zu aufwendig war und von der Anwendung nicht unterstützt wird.

Hätte mir die NYT angeboten, die 150 Dokumente 'durchzublättern', vielleicht auch erst nach einem Downpayment für 10 Artikel, hätte ich bestimmt ein paar mehr gefunden und bezahlt. Hätte die NYT mir angeboten, die Fundstellen mit weiteren Schlüsselbegriffen auf meinen Forschungsgegenstand auszurichten, eine chronologische Darstellung angeboten, Kategorien gebildet Konzert Kritik, Schallplattenkritik, Veranstaltungen, usw. hätte ich am Ende auch 150 oder 250 USD bezahlt und mit Veröffentlichungsrecht sogar 2.000 oder 2.500 USD), doch das war nicht im Angebot.

P.S.
Ich könnte über ein ähnliches Beispiel aus dem Verlagsbereich mit Büchern einer Autorin die zwischen 1896 - 1940 mehr als 35 Werke veröffentlicht hat berichten. Acht dieser Bücher konnte ich über das Antiquariat kkaufen, keines der Bücher gabe es bei einem der Rechteinhaber (Verlage) und um die Bücher einzusehen, musst ich mich über Proxy-Verbindungen in die Archive von Universitäten und Google einschleichen.