Sonntag, Juli 05, 2009

Datenschutznovelle - geschenkte Zeit, werden Verlage diese Nutzen?

Die einen bedauern, dass die jetzt im Bundestag verabschiedete Datenschutznovelle bei den Änderungen weitgehend nur "den Wunschzettel der Wirtschaft abgearbeitet habe". Andere begrüßen einen 'akzeptablen' Kompromiss zwischen den Betroffenen. Dritte befürchten, dass die getroffenen Regeln trotz der Übergangszeiten ihr Geschäftsmodell wesentlich beeinträchtigen wird oder gar die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik in Gefahr ist.

So schreibt zum Beispiel der VDZ: (3. Juli 2009)

"„Wir erkennen an, dass sich Parlamentarier beider Regierungsparteien darum bemüht haben, den äußerst wirtschafts- und pressefeindlichen Regierungsentwurf abzumildern“, erklärte ein Vertreter des VDZ. „Es ist allerdings fraglich, ob mit dem nun vereinbarten Kompromiss eine ausreichende Zahl potenzieller Neu-Leser für die briefliche Abo-Werbung erreichbar bleibt.“ Denn statt auf bewährte Modelle wie die österreichische codierte Kennzeichnung der Adressquelle im Werbebrief zurückzugreifen, verlangt das Gesetz nun die Klarnamenkennzeichnung des Adresslieferanten. Daraus folgt die Gefahr eines ganz erheblichen Rückgangs der verfügbaren Adressen. Würde sich diese Gefahr realisieren, wäre der Schaden für die auf Briefwerbung essentiell angewiesenen Abo-Auflagen ähnlich groß wie durch den Regierungsentwurf, der eigentlich verbessert werden sollte.

„Es ist unverständlich, warum die im Zuge der Digitalisierung und infolge massiver Anzeigenrückgänge schwer belastete Presse ausgerechnet jetzt einer solchen Gefahr ausgesetzt wird“, sagte der VDZ-Sprecher weiter.

Neben weiteren Belastungen und Unklarheiten im Gesetzestext stößt bei den Zeitschriftenverlegern die Einführung eines Anordnungsrechts für Datenschutzbehörden auf Ablehnung. Es bedeutet eine problematische Verschlechterung der Wirtschaftsordnung in Deutschland. Behördliche Anordnungsbefugnisse begründen schon angesichts der vielen unbestimmten Voraussetzungen ein Risiko unvorhersehbarer Eingriffe in die Unternehmen und deren betriebliche Abläufe."

Verlage die an dieser Wirtschaftsordnung als Unternehmer teilnehmen, werden mit diesen neuen Regeln gut leben können. Innovative Verleger und Verlagsmanager, werden diesen Eingriff vielleicht auch als Gelegenheit betrachten ihre Cash-In Modelle zu überprüfen und bei Bedarf neu zu justieren und/oder einzurichten.

Ich denke dabei insbesondere an

Welche Güter und Dienstleistungen könnte mein Klientel für ihren Erfolg gebrauchen und vorteilhaft nutzen,

Wie organisiere (oder/und produziere) ich diese Güter und Dienstleistungen und verdiene damit (gutes) Geld?

Welche 'altbewährte' Praxis kann (muss) ich jetzt über Bord werfen, welche neue Prozesse aufsetzen um für mein Klientel attraktiv, glaubwürdig und als Lösungspartner in Anspruch genommen werden?

Ausgewählte Link
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Erste Analyse der Datenschutz-Novelle: Was die Verlage jetzt beachten müssen


Gesetz, vorläufige elektronische Version (PDF)