Montag, September 14, 2009

Soziale Medien, Soziale Netzwerke - für Verlage noch zu sehr Spielwiese

Ulrike Langer (@mauisurfer25) hat den Kollegen Peter Schink (bisher ASV) zum Start in die Selbständigkeit (mit Steffen Büffel) mit der 'Agentur für digitale Zukunft' mediati interviewt. Zu den Gründen für seinen Ausstieg beim Axel Springer Verlag (Leiter Produktentwicklung für die Welt-Gruppe), wo er den größten Nachholbedarf der Verlage im Bereich Digital und Social Media sieht und über den Angebotsschwerpunkt von mediati.

In dem Interview beschreibt Peter Schink als größte Schwachstellen der Verlage u.a.

"Die Umsetzung von Innovationen"

"Die Adaption von Technologien und Kanälen um Kunden dass zu bieten was sie wollen und dort wo sie es wollen"


zum Interview. zur Nachricht auf meedia.de
Und den Kollegen Peter Schink und Steffen Büffel einen erfolgreichen Start!

Da jetzt auch die letzten Firmen (in Bayern) die Sommerpause so langsam beenden und neben noch ein wenig Umsatz für 2009 schon wieder an die Planung für 2010 denken wird, hier noch ein paar Anmerkungen zum Kern der Problemstellung:

Ich bin überzeugt, dass es sich Medienunternehmen nicht länger leisten können, die Aufgaben und Fragen im Zusammenhang mit der Digitalisierung und dem Internet [plus Mobile] aufzuschieben und die erfolgreichen Aufstellung für eine gute Zukunft für Unternehmen und Mitarbeiter mehr jetzt angehen müssen. Die Weichenstellung der nächsten Monate [Rest 2009 / Planung 2010] sind die entscheidenden für das Überleben und Sterben in 'Medialand'.

Aus meinen Beobachtungen und Gesprächen sehe ich, dass es häufig schon bei der Zielsetzung hapert, oft eine solche gar nicht eindeutig erkennbar wird und falls doch, diese oft inkompatible mit den Zielen und der Kultur des Unternehmens (und ihrer Kunden) ist.

Als weiteres Hemmnis sehe ich eine erschreckende Ahnungslosigkeit [und/oder Ignoranz] in der Wahrnehmung der Zielpersonen, ihrer Bedürfnisse und Wünsche und die Prozesse der Informationsbeschaffung, Auswertung und Entscheidungsprozessen - sozio-demografische Merkmale reichen da nicht!

Oft wird viel zu unbedarft und unüberlegt eine Technologie, eine Innovation genutzt (und das ist dann vielleicht die "genehmigte Spielwiese") und auf den Markt gebracht wird, ohne vorher die Kompatibilität mit dem eigenen Haus und Mitarbeitern und/oder den vorhandenen oder zukünftigen Kunden auch nur in Ansätzen zu prüfen.

Nur wenige Verantwortliche und Entscheider unterwerfen solche Ideen und Vorhaben einem gründlichen Check:

- passt und wenn ja wie das zu unserer Strategie, was können wir damit besser, schneller effizienter erreichen

- passt unsere Organisation- und das Management um diese Technologie erfolgreich zu nutzen um die Ziele zu erreichen

- haben wir die Leistungsbereitschaft, das Leistungskönnen und die Leistungswillen damit erfolgreich zu sein

- passt die Technologie kulturell zum Unternehmen, den Mitarbeitern, Kunden und Partner

und je nachdem wie die Antworten ausfallen, was müssen wir bei der Strategie, der Organisation, dem Management, den Mitarbeitern und Kunden tun und haben wir den Willen, die Mittel und Macht das umzusetzen.

Gleichzeitig muss mit der Produktplanung und Produktentwicklung begonnen werden, die Digitalisierung wird das Produkt- und Dienstleistungsangebot nicht nur verändern, sondern revolutionieren. Schaue ich mir heute so manchen Webangebot von Verlagen und

Mediendienstleistern, dann herrscht in den Verkaufsregalen oft gähnende Leere. Und wenn es etwas gibt, dann versteckt sich das hinter hohen Premium- und Leserdienst-Mauern. Gleichzeitig höre ich dann etwa "in 3 Jahren wollen 25 oder 35 % unseres Umsatzes" mit Digitalen Gütern machen, ja womit denn?

Höchste Zeit auch, den komplette Prozess der Leistungserstellung und Vermarktung neu zu erfinden. Die Strukturen, Kosten, Ressourcen und Mitarbeiter mit denen heute produziert und verkauft wird, sind völlig ungeeignet für die Digitale Medienwelt. Die Kunden zahlen das nicht. Die Anzeigenkunden konzentrieren sich auf den Erfolg ihrer Werbung. Und den Eignern und Sponsoren vergeht die Lust alte Strukturen zu unterstützen und ihre Ansprüche an Rendite und Wirkung herunter zu schrauben

Im August, nach einem 3-tägigen Workshop, kam gegen Ende der Geschäftsführer des Verlages zu mir und sagte: Ich habe verstanden, wir sollten nicht weiter vor uns hin entwickeln, sondern mit unseren Ideen und Konzepten zum Kunden gehen um herauszufinden, was dort gerade gebraucht wird und wie wir das kompatible zu den Prozessen beim Kunden und mit dem Kunden implementieren...  genau!

Frühere Einträge:
Was sollten Verlage und ihre Manager jetzt am dringendsten anpacken?


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