Dienstag, November 02, 2010

Verlag anno 1841 - Verlag kommt von Vor(aus)legen

Verlag ist Dasselbe mit den Auslagen oder Geldausgaben, welche die Betreibung oder Ausführung eines Geschäfts nöthig werden. So enthalten die Kostenberechnungen der Advocaten unter Bezeichnung Verlag, was sie etwa für Schreiberlohn, für Briefporto, Fuhrlohn oder sonst bei ihren Geschäften ausgelegt haben.

In manchen Fabrikgegenden heißen die Kaufleute Verleger, welche den Webern, Strumpfwirkern, Spitzenklöpplern u.s.w. das Material zu den von ihnen gefertigten Waaren, also Garn und Zwirn geben und das Arbeitslohn für die fertigen Stoffe bei deren Ablieferung bezahlen. Die allgemeinste Anwendung finden jedoch die Ausdrücke Verlag und Verleger im Buchhandel und hier ist auch von einem Verlagsrecht die Rede, unter welcher zu verstehen ist, welche ein Buch-, Kunst- oder Musikalienhändler oder eine Buch-, Musikalien- oder Kunsthandlung auf rechtlichem Wege zur Vervielfältigung von Geistes- und Kunsterzeugnissen, namentlich von Büchern Musikalien, Kupferstichen, Lithographien u. dergl. und zum Verkaufe derselben zu ihrem Vortheil erworben haben. Es geschieht das, indem sie von einem Schriftsteller, Componisten oder Künstler ein Werk desselben mit der

Verpflichtung zur Herausgabe auf ihre Kosten und zum Verkaufe auf ihre Rechnung übernehmen, welches ihnen ausdrücklich zu diesem Zwecke ein- für allemal, oder nur in einer Auflage von einer bestimmten Anzahl von Exemplaren, auch wol blos auf eine gewisse Zeit abgetreten wird. Welche Vortheile sie dem Verfasser dafür bewilligen oder nicht, ändert an der Natur der Übereinkunft nichts. Hinsichtlich der in Zeitschriften und in Taschenbüchern abgedruckten Sachen ist angenommen, daß der Verfasser nach Ablauf eines Jahres darüber wieder beliebig verfügen können, wenn nicht deshalb ein anderes Übereinkommen getroffen wurde. Die Rechte von Verfasser und Verleger können zwar übertragen werden und gehen namentlich auf deren Erben über, doch sind dieselben in Deutschland sowol durch die Bundesgesetzgebung als auch durch die Gesetze einzelner Bundesstaaten auf gewisse Zeiträume beschränkt (f. Nachdruck), nach deren Ablauf sie erlöschen und die betreffenden Werke gleichsam Nationaleigenthum werden.

Zitiert nach Brockhaus 1841, Band IV., Seite 592